VisionMagazin

Wider Willen – zwischen Gott und Mensch

Inhalt

Wer will hier eigentlich was?

Über die Bibel und ihre Geschichten schreiben? Unsere moderne Kultur kennt dafür wenig Platz. Ich mache es trotzdem.

Mein Wille? Definitiv.

Gottes Wille? Hoffentlich.

Aber scheinbar wider dem Willen der Gesellschaft. Vermutlich schreibe ich diesen Text genau deswegen. Ich bin immer schon gerne gegen den Strom geschwommen.

Egal.

Wichtiger: Legen wir mit den Geschichten los.

Abraham – der Gott vertraut

Long-story Short:

Im Alten Testament soll Abraham, seinen Sohn Isaak opfern, obwohl dieser ihm erst unter wunderbaren Umständen geschenkt wurde. Abrahams Frau Sara wurde erst im späten Alter schwanger. Isaak ist somit das Wertvollste für Abraham und seine Frau. Es ist ein Beweis für Gottes Güte und Wunder. Doch nun fordert genau dieser Gott, dass Abraham seinen Sohn Isaak opfern soll.

Skurril.

Was soll das nur für ein Gott sein, der fordert sein Kind umzubringen, wundere ich mich…

Mag das für mich und viele auch unverständlich sein, lesen wir in der Geschichte nicht von Abrahams Sorgen oder gar einer Rebellion gegen Gottes Willen. Ganz im Gegenteil. Abraham gehorcht.

Aber noch merkwürdiger:

Isaak wundert sich auf dem Weg zur Opferstätte, wo das Opfertier ist. Abraham antwortet seinem Sohn beinahe prophetisch, dass “der Herr ein Tier schicken wird”. Keine Ahnung, ob Abraham seinen Sohn anlügt, damit dieser keinen Verdacht schöpft, oder er sich Gottes Liebe gewiss ist. Aber er gehorcht.

Schöner ausgedrückt: Abraham vertraut.

Und wie von ihm vorhergesehen schickt Gott in der letzten Sekunde ein Tier. Einen Widder. (Passt zum Titel – denke ich. Ist nur ein “d” mehr.) Dieser wird anstelle Isaaks geschlachtet. Gott hat sich erbarmt.

Eine absurde Geschichte. Ich frage mich:

Wollte Gott Abraham testen?

Warum folgt Abraham diesem für uns grausamen Befehl Gottes?

Warum befiehlt Gott, der doch angeblich Liebe ist, so etwas?

Welchen Sinn hat diese Geschichte?

Während ich über mögliche Erklärungen nachdenke, fallen mir ein paar weitere Erzählungen ein.

Jakob – der mit Gott kämpft

Abrahams Enkel, Jakob, der Sohn des eben beinahe geopferten Isaak, kämpft mit Gott. Es geht wieder um Willen und ein bisschen um Karma. Denn Jakob hatte seinen Bruder Esau um das Erstgeburtsrecht und somit auch Gottes natürliche Ordnung betrogen. Das meint auch der Name Jakob, der Fersenhalter = der eigentlich an zweiter Stelle kommt, aber schummelt.

Jakob ist also ein kleiner Gauner.

Nachdem Betrug, flüchtet er vor seinen Bruder, kehrt aber eines Tages zurück, um Frieden zu schließen. In der Nacht, bevor er seinen Bruder trifft, kämpft er dann mit Gott in Engelsgestalt.

Und Jakob gewinnt. Gegen Gott!

(Krasser Typ.)

Psychologisch deute ich das so: Er ringt mit seiner eigenen inneren Schuld, die er mit sich trägt, denn er weiß: Er hat seinen eigenen Willen immer durchsetzen wollen. Er hat Gottes Ordnung, die Höherstellung der Erstgeborenen, betrogen. Ich glaube, er ringt mit Gott, weil er sich nach Erlösung von seinen Sünden sehnt.

Jakob bekommt den Gottessegen. Gott benennt ihn daraufhin um in Israel. Das bedeutet so viel wie “wir, die mit Gott ringen”. (Passende Taufe.) Der Name repräsentiert den Aspekt unseres Wesens, der mit sich und dem Ganzen verhandelt.

Im Anschluss begegnet Israel seinem Bruder und wird geherzt.

Versöhnung.

Vergebung.

Israel sieht Esau nun als seinen Herrn und sich selbst als dessen Knecht. Ich glaube, Jakob hat Gottes Segen bekommen, indem er dessen Willen im Herzen annimmt.

Happy End.

Es geht aber noch schräger.

Hiob – der Gott anklagt

Das Alte Testament schließt mit der polarisiertesten Erzählung der westlichen Theologie ab: Hiob – die Königsdisziplin der Bibelinterpretation. Sie stellt die Frage nach Gottes Gerechtigkeit. Noch heute bezeichnen wir schlimme Neuigkeiten als Hiobsbotschaft. Worum geht es also?

Hiob ist Gott liebster Mensch. Gott ist stolz auf ihn, weil Hiob ihn liebt und ehrt. Doch dann kommt der Satan und provoziert Gott zu einer Wette:

Hiob liebt dich doch nur, weil er alles hat. Er ist nur gottestreu, weil es ihm gut geht. Lass mich an ihm werkeln und du wirst sehen, wie ergeben sein Herz dir wirklich ist.“

(Kein O-Ton.)

Gott willigt ein und der Teufel legt los:

Hiob verliert seinen gesamten Besitz.

Seine Frau und Kinder kommen um.

Er wird krank.

Doch noch beschwert er sich nicht.

(Respekt an Hiob.)

Doch Satan fängt an ihn in Person seiner Freunde zu belehren: „Du musst ja gesündigt haben, sonst würde der gerechte Gott dich nicht strafen.“  Jetzt platzt Hiob der Kragen. Er beteuert seine Unschuld und klagt Gott an: Warum tust du mir das an? Warum glauben, wenn Gott den Unschuldigen wie den Schuldigen behandelt?“ Er fordert von Gott eine Rechtfertigung für seine Situation. (Das kann ich verstehen. Würde ich vermutlich auch tun. Wahrscheinlich schon früher.)

Und Gott antwortet. Er erscheint Hiob in all seiner Allmacht als atemberaubende Vorstellung. Er nimmt Hiob mit auf den Beginn der Zeit als noch nichts war, nur Gott. Er zeigt, wie die Kreaturen geschaffen und die Mächte der Dunkelheit besiegt hat. Er reist mit ihm durch den gesamten Kosmos zum Anbeginn und Ende der Zeit.

Gott erscheint Hiob in all seiner unverstehbaren Natur.

Überwältigt von der Vision Gottes, bereut Hiob seine Anklage. Er erkennt, der menschliche Verstand kann Gottes Tun nicht verstehen. Hiob hat keine Ahnung von Gottes Willen. Klagen hat deswegen keinen Sinn.

Diese Weisheit Hiobs wird übrigens von Gott gesegnet. Hiob wird wieder wohlhabend, gründet eine neue Familie, und wird gesund. Alles, was ihm genommen wurde, wird ihm doppelt gegeben.

Lustigerweise wissen wir nicht, was der Teufel eigentlich danach macht.

(Interessiert mich aber brennend. Fun Fact: Satan heißt übrigens Widersacher. Wie schön präzise Worte sein können.)

Und die Moral von der Geschicht‘?

Hiob lehrt uns von der Bescheidenheit im Leiden. Gott offenbart sich und zeigt uns, dass wir nicht in der Lage sind, ihn zu verstehen. Das ist quasi eine Definition Gottes: nicht-für-den-Verstand-verständlich. Es ist anmaßend zu behaupten, man würde Gott verstehen. Das ist der Wille zur Weisheit – Das Akzeptieren des für uns scheinbar Willkürlichem.

Aber es gibt noch eine weitere Definition: Gott ist gut. Gott ist sogar das Beste.

Kombiniert also: Gott ist das nicht-verstehbare Beste in der Welt.

Deswegen glaube ich nicht, dass es nur um Akzeptanz, sondern auch um das Erkennen des Guten, trotz dessen scheinbarer Abwesenheit, geht. Es geht vielmehr um eine existenzielle Grundannahme über das Gute in der Welt.

(Nicht so einfach, oder?)

Aber nicht nur Hiob lernt etwas in der Geschichte, sondern Gott auch. Gott möchte Hiobs Leid als Mensch spüren, um zu wissen, was Menschsein bedeutet. Wie es sich anfühlt, Gott zu sein, weiß er schon.

Und so beginnt das neue Testament mit der Geburt Jesu.

Das Beste inkarniert sich.

Das Kreuz als Wille

Gott wird Mensch. Jesus, Gott, stirbt für alle anderen Menschen. Am Kreuz. Das Perfekte opfert sich für die Sünde. Es stirbt aber nicht endgültig. Es wird wiedergeboren.

Es ist die ultimativste Geschichte, denn die Extreme können nicht größer gedacht werden. Jesus ist eine radikale Evolution (R-Evolution) der Beziehung von Gott und den Menschen. Wenn früher nur die Menschen Gott angebetet haben, wird Gott nun auch Diener der Menschen. Wenn früher Menschen Gott geliebt haben, mussten sie immer etwas tun, um die Verbindung mit der Liebe Gottes aufrechtzuerhalten.

Und so symbolisiert das Kreuz die Beziehung von Gott zu Mensch und von Mensch zu Gott. Die beiden Willensstandpunkte kreuzen sich. Gottes Wille und der menschliche Wille sind eins in Christus. Doch was heißt das überhaupt?

Um das Klischee schlechthin zu bedienen: Liebe.

Gottes Wille und der menschliche Wille sind eins in dem Sein der Liebe.

So schreibe ich den Text also in der Liebe.

Weil ich will.

Weil Gott will?

Mal gucken, was draus wird.

Hoffentlich mehr als ein Klischee.

Autor
Dr. Patrick May wandelt philosophisch zwischen Größenwahn und Bescheidenheit. Er schreibt über Gott und die Business-Welt. Mit Goalimpact spielt er Moneyball im Fußball und vertritt die These: Fußball ist eine Religion.
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