Warum Schönheit wichtig ist, auch im Business – Interview mit Leonard von Bibra

Leonard von Bibra ist freiberuflicher Filmemacher. Durch stilvolle und emotionale Filme möchte er Kommunikation hochwertig und zeitlos gestalten. Im Interview spricht er über die Relevanz von Ästhetik und Schönheit in der Arbeitswelt.

Inhalt

Interview

Daniel Büscher
Leonard, du bezeichnest dich als „Ästhet“. Was bedeuten Ästhetik und Schönheit für dich?

Leonard von Bibra

Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem Schönheit wertgeschätzt wurde – in der Natur, aber auch im Haushalt und in kleinen, alltäglichen Dingen. Insbesondere meine Mutter hat uns schon als kleine Kinder mit Kunst in Berührung gebracht und wir durften früh ausgiebig malen, basteln und werkeln. Das heißt, in gewisser Weise wurde es mir in die Wiege gelegt, besonders auf Schönheit zu achten und sie dementsprechend auch wertzuschätzen. Der Mensch an sich ist aber ja auch ein sehr visuelles Wesen und als ich etwas älter wurde, war mir schnell bewusst, dass Ästhetik einen großen Einfluss auf mein Wohlbefinden hat – die Ästhetik der Menschen, die mich umgeben, aber auch die örtliche Umgebung. Dass viele unserer Schulen sterile Beton-Blocks ohne Kunst sind, finde ich zum Beispiel sehr bedauernswert, weil es keine Umgebung ist, die erfolgreiches Lernen fördert. Sie regt nicht sonderlich zur Kreativität an.

Ich würde sagen, dass Ästhetik und Schönheit im Allgemeinen oft mit dem Satz „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ verbunden werden. Und ja, die Beurteilung von Schönheit ist zum Teil sehr subjektiv. Aber eben nur zum Teil. Es gibt auch einen Teil, der nicht individuell und beliebig ist, sondern mit anderen geteilt wird – aus diesem Konsens, dieser Übereinstimmung, bildet sich das Schönheitsbild. Und auch das ändert sich natürlich immer wieder im Wandel der Zeit. Gerade im 21. Jahrhundert, wo sich alles schneller verändert, gibt es modische Trends, die nur kurzzeitig andauern – das ändert aber nichts an zeitlosen Aspekten, die konstant sind. Und diese sind essenziell: Farben, Form, Symmetrie und Komposition. Daher setze ich auch auf eine zeitlose Bildsprache. Mir ist wichtig, dass ich auch, wenn ich in 5-10 Jahren auf meine Filme schaue, sagen kann: Das ist nach wie vor schön und funktioniert.

Mir war schnell bewusst, dass Ästhetik einen großen Einfluss auf mein Wohlbefinden hat.

Schönheit scheint vielleicht erstmal als ein „nice to have“ aber stellt keine Notwendigkeit da – gerade im Business-Kontext. Was sagst du dazu?

Schönheit ist ja nicht nur Selbstzweck, sondern sie dient auch der Funktion. Ich würde die beiden nicht gegeneinander ausspielen, ganz im Gegenteil – sie ergänzen sich: Funktion wird durch Schönheit funktionaler. Und das lässt sich auf fast alle Bereiche der Unternehmenskommunikation anwenden: auf Webseiten, im Print oder eben in der visuellen Kommunikation, was Fotos und Bewegtbild betrifft. Ein schönes Video schafft es auch, die Aufmerksamkeit auf den wesentlichen Inhalt zu lenken, weil das Auge geleitet wird und sich die Bilder gerne anschaut. Wenn man jedoch durch unschönes Licht, störende Elemente, unstimmige Farben und dergleichen unterbewusst abgelenkt und unbefriedigt ist, dann lenkt der Mangel an Schönheit oder Intentionalität den Adressat vom eigentlichen Inhalt ab und ist damit kontraproduktiv. Es ist also kein Wunder, dass Marken aller Art weltweit viel Geld investieren, um ihre Kampagnen visuell ansprechend zu gestalten. Ich bekomme von meinen Kunden oft das Feedback, dass sie ihr Unternehmen noch nie so ansprechend und kurzweilig porträtiert gesehen haben. Das Medium Film hilft ihnen enorm in der Kommunikation mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern.

Als Filmemacher ist es deine Aufgabe, Schönheit einzufangen. Wie gelingt dir das?

Ich würde sagen, dass ein Teil sicherlich Veranlagung und Prägung ist, einen Blick für das „Schöne“ zu haben, ein anderer Teil aber auch einer, den man lernen kann. Und zur Wahrheit gehört auch, dass es eben nicht nur „einfangen“ – also klassische Reportage ist. Durch Licht, Brennweiten-Wahl, Umgebung und andere Enscheidungen, die wir beeinflussen, können wir Stimmungen gezielt kreieren, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Uns ist dabei aber wichtig, dass jedes Unternehmen authentisch porträtiert wird.

Brand-Shooting zum 10-jährigen Firmen-Jubiläum für Blitzschutz Kunisch im Allgäu

Schönheit ist ja nicht nur Selbstzweck. Sie dient auch der Funktion. Ich würde die beiden nicht gegeneinander ausspielen, ganz im Gegenteil – sie ergänzen sich!

Wie schaffst du es, die Unternehmen so einzufangen, dass die Kultur und der Spirit des Unternehmens rüberkommen?

Unser Ansatz ist es, jedes Projekt individuell anzupacken. Jedes Unternehmen, jeder Kundenwunsch und die Nutzungsarten sind so einzigartig, dass man sich erstmal im Klaren darüber sein muss, was wie erreicht werden soll. Daraufhin gehen wir in die Konzeptionsphase und setzen uns mit dem Kunden auseinander. So bekommen wir ein Gespür für das, was im jeweiligen Fall der richtige Weg ist. Wenn man ein Unternehmen aber erstmal kennenlernt, kriegen wir sehr schnell einen Eindruck davon, wie wir vorgehen werden.

Was hältst du davon, dass in den sozialen Medien alles „schön“ sein muss? Gerade auf Instagram wird Schönheit schon fast zu einer „Krankheit“ – wie siehst du das?

Naja, Instagram ist da unter den Social Media Plattformen natürlich besonders, weil es gar keine Möglichkeit gibt, Beiträge in reiner Textform zu posten. Von Anfang an war es ganz stark auf das Visuelle ausgelegt – erst nur mit quadratischen Bildern, dann auch in anderen Seitenverhältnissen und schließlich kam der Übergang zu Videos, der die Plattform stark verändert hat. Vieles finde ich ehrlich gesagt gar nicht „schön“, aber ich weiß natürlich, was du meinst. Ursprünglich war Instagram eine Plattform, die es insbesondere Kunstschaffenden ermöglicht hat, unkompliziert ihre Werke zu teilen und damit ein neues Publikum zu erreichen. Ich persönlich bedauere, dass es zu einer Selbstdarstellungs-Plattform für die große Masse geworden ist. Da ist auf dem Weg viel liegen geblieben…

Fabian Kienbaum mit Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung dm

Fabian Kienbaum mit Jens Fiege, Co-CEO FIEGE

Bei deinen Kunden habe ich manche gesehen, die auch in der Gestaltung der Büros und Gebäude besonderen Wert auf Schönheit legen. Gibt es ein Projekt, das dich da besonders fasziniert?

Ich glaube, dass schöne Büros Kreativität, Zusammenarbeit und Wohlempfinden fördern. Da sind wir wieder beim Thema „Schönheit und Funktion“ – ich zitiere da gerne den Designer und Typografen Stefan Sagmeister aus Österreich: „Wir fühlen uns in einer schönen Umgebung besser. Und wir benehmen uns anders.“ Das habe ich oft so erlebt und die Unternehmen, die besonderen Wert auf Schönheit legen, senden damit ja auch die Botschaft an Mitarbeiter und Kunden, dass sie diese wertschätzen, indem sie ein schönes Umfeld bieten. Insgesamt denke ich, dass Investitionen in Schönheit im Vergleich zu solchen, die einen direkt mit Zahlen belegbaren „Return on Investment“ bieten, oft unterbewertet werden. Rein betriebswirtschaftlich zu denken ist meines Erachtens nach dann doch auch zu kurzfristig. Auch wenn sich der Wert eines schönen Büros nicht mit klassischen Maßstäben messen lässt, bin ich fest davon überzeugt, dass er eine kulturstiftende Maßnahme ist, die belohnt wird. Und das oft unterbewusst.

Produktfotos für die Compleo Charging Solutions AG im Rahmen des IPOs. (Kopenhagen, Frankfurt, Köln)

Bei meiner Arbeit mit Kienbaum, wo ich Fabian Kienbaum jeden Monat für seinen Podcast „Pioniere wie wir” begleite, ist mir das bei vielen Unternehmen aufgefallen: Vitra, MANN + HUMMEL, Herrenknecht oder auch Viessmann haben einen großzügig gestalteten Bereich, der sowohl die jeweilige Produktpalette darstellt, aber auch einen großen Fokus auf die Geschichte und Kultur des Unternehmens legt. Es ist faszinierend zu erleben, wie schnell man durch solche Maßnahmen ein Unternehmen eindrucksvoll kennenlernen kann. Die kreative Gestaltung ist dabei natürlich enorm wichtig und nicht zu unterschätzen.

Für eine besondere Geschichte bist du in die Ukraine gereist, aber generell reist du durch deine Arbeit sehr viel – letztens warst du in Kenia. Inwieweit spielt der Ort für die Art, wie du Geschichten erzählst, eine besondere Rolle?

Neue Orte, Kulturen und Menschen kennenzulernen, hat mich schon immer fasziniert. Und gerade in den Jahren vor der Pandemie durfte ich viele Länder sehen. Ich finde es praktisch, dass man bei internationalen Reisen mit Limitierungen arbeiten muss. Weniger verfügbares Equipment, oft nur das natürliche Licht, das man nutzen kann, Sprachbarrieren, etc. – aber das lässt einen kreativ werden und der Mangel an Optionen kann auch befreiend sein. Ich habe es mir auch in Deutschland angewöhnt, gewisse Dinge wegzulassen – und das war eine gute Erfahrung. Insgesamt kann man die örtliche Umgebung kaum überschätzen. Mit der Location steht und fällt vieles.

Ausschnitte aus einem Kurz-Portrait über Dr. Boris Zabarko, Historiker und Holocaust-Überlebender

Ich nehme dich in deiner Gestaltung auch als Minimalist wahr, der die Essenz einer Sache einfangen kann. Hast du eine Theorie, warum das Puristische in Gestaltung, Kunst und Design oft mit Schönheit assoziiert wird?

Je weniger Ablenkung des Blickes, desto höher die Aufmerksamkeit. Unser Auge wird ja gelenkt – oftmals unterbewusst. Wir werden täglich mit so vielen Eindrücken überschüttet, dass es uns oftmals überfordert. Daher ist der Minimalismus – auch ganz unabhängig von der Kunst – ein Lifestyle, der das Leben etwas unbeschwerter macht.

Zu guter Letzt – was macht für dich einen guten Film in der Unternehmenskommunikation aus?

Das ist auf jeden Fall primär der Inhalt. So wichtig die Verpackung auch ist – Content ist und bleibt King. Und daher ist die Konzeption auch so relevant. Bei Interviews ist es wichtig, dass man ein Setting kreiert, wo Menschen auf ruhige, entspannte Weise Einblicke geben. Wenn auf Voiceover, also eine Sprecherstimme gesetzt wird, muss darauf geachtet werden, dass die Stimme an sich passend ist und dass die Betonung unterstützend und nicht ablenkend ist. Dann natürlich, dass man schnell und kurzweilig einen authentischen Einblick in das Unternehmen kriegt. Wichtig ist auch, dass Bild und Ton gut aufeinander abgestimmt sind – dadurch ist das Erlebnis deutlich intensiver und spricht mehr Sinne an. Das kreiert positive Emotionen, die unterbewusst mit dem Absender verbunden werden und beim Markenaufbau helfen. Licht und Komposition haben wir bereits angesprochen. Am Ende ist es ein Zusammenspiel all dieser Dinge, die zu einem Ergebnis führen, dass Zuschauer bewegt und zum Handeln motiviert. Denn das ist natürlich bei alle dem nicht zu vernachlässigen: Im Kern geht es darum, dass der Film etwas beim Zuschauer auslöst – je nach Gattung einen Kauf, eine Bewerbung oder ein guter Eindruck, der mit dem Absender verbunden wird.

Vielen Dank für das Interview!

VON BIBRA STUDIOS im Bonner Süden

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QUELLE: BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.